10/09/2026
Demnächst in deinem Briefkasten: die neue Ausgabe der VPOD Informationen.
Stadt Zürich: ÖV und VBZ am Limit
Nun doch: Personalmangel!
1058 VBZ-Mitarbeitende warten auf eine Antwort ihres Stadtrats. Sie hatten am 8. Juli ihre Unterschriften für die Stärkung der Attraktivität ihres Berufs eingereicht und um Antwort ersucht. Bis Ende August. Vergeblich. Was bedeutet das?
Kürzlich haben die VBZ die Streichung zweier Tramlinien angekündigt, weil das Personal fehle. So die neue, offizielle Leseart unter Direktor Martin Sturzenegger. Eine Hiobsbotschaft – nicht nur für den verantwortlichen Stadtrat Michael Baumer (FDP) - angesichts immer weiter steigender ÖV-Preise im Kanton Zürich. Bis vor Kurzem hiess es noch vom Ex-VBZ-Betriebschef im Radio SRF, man habe «nicht grundsätzlich zu wenig Personal». Ausgerechnet an jenem Tag, an dem sich die VPOD-Gewerkschafter*innen in Oerlikon beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) für Investitionen ins ÖV-Personal und damit für ihre VBZ einsetzten. Am ersten Aktionstag für mehr «Respäkt fürs ÖV-Personal» vom 18. November 2025. Jetzt heisst es, die Rekrutierung wurde verschlafen. Auch angesichts der hohen Anzahl Pensionierungen sei die Situation herausfordernd. Aber jetzt werde alles gut.
Letzten Herbst hatte ZVV-Direktor Dominik Brühwiler die Gewerkschafter*innen zurück an die VBZ verwiesen. Die Transportunternehmen seien für gute Arbeitsbedingungen zuständig, der ZVV habe keinen Einfluss. Um dann ein halbes Jahr später einen Rahmenkredit und Investitionen von knapp 1 Milliarde Franken u.a. für einen 24-Stunden-Betrieb in den Städten anzukündigen. Nur, mit welchem Personal? Während im Vergleich die Einführung einer 35-Stunden-Woche im Schichtbetrieb anfänglich Investitionen von max. 8 Millionen Franken erfordern würde – einen starken «return-on-investment» vor Augen, wie sich in anderen Branchen gezeigt hat.
Entsprechend haben sich die VPOD-Gewerkschafter*innen in der Folge wieder an ihren Stadtrat gewendet und am 8. Juli die Petition «für faire Arbeitsbedingungen» übergeben. Darin fordern sie das Ende der «Gratis-Arbeit», die Teilnahme am städtischen Pilotversuch für eine 35-Stunde-Woche in den Schichtbetrieben, maximal 90-minütige Pausen zwischen zwei Dienstteilen sowie Transparenz bei den Verhandlungen um eine neue betriebliche Vereinbarung, die Ende 2027 ausläuft.
Die im VPOD organisierten VBZ-Mitarbeitenden diskutieren diesen Herbst über die Kosten und den Nutzen der bestehenden betrieblichen Vereinbarung, die den Entwicklungen der letzten zehn Jahre offensichtlich nicht mehr gerecht wird. Wenn Personalmangel, täglich ausfallende Tram- und Buskurse und viel zu hohe Gesundheitskosten resultieren. Trotz steigender ÖV-Preise.
Möglicherweise werden sie eine neue Vereinbarung nur dann unterstützen, wenn ihre Forderungen angemessen berücksichtigt werden. Und sich dann die Frage nach der Alternative stellen. Und wohlweislich sich vor Augen führen, was sie zu verlieren haben. Angesichts des Gesundheitsrisikos ihres Berufs kombiniert mit der Lethargie und Gleichgültigkeit ihrer politischen Führungsperson Stadtrat Michael Baumer. Die Folge: die Streichung von Linien.
Dieser hat am 8. Juli deutlich sein Missfallen gezeigt, mochte bisher nicht auf das Schreiben eingehen und hat die Antwort auf die Petition scheinbar an VBZ-Direktor Sturzenegger delegiert. Dieser hat sich im August direkt an die VBZ-Mitarbeitenden gewendet. Es sei ihm und der Geschäftsleitung wichtig zu betonen, dass sich die VBZ «laufend und seit vielen Jahren für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden im Schichtdienst einsetzen.» Die VBZ würden einen partnerschaftlichen, konstruktiven und transparenten Umgang mit ihren Personalverbänden pflegen und er hoffe, dass dies nicht nur mit Syna und transfair, sondern auch weiterhin mit dem VPOD möglich sei.
Nicht nur bei den Unterzeichnenden Mitarbeitenden hat diese Botschaft viele Fragezeichen und ein ungutes Gefühl hinterlassen. Denn angesichts hunderter bevorstehender Pensionierungen und attraktiverer Berufsfelder wird sich der Personalmangel in den nächsten Jahren weiter verschärfen, wenn die Verantwortlichen die Vorschläge des Personals weiterhin ignorieren und den VPOD nach altem Muster in eine Ecke zu stellen versuchen. Die Mitglieder des VPOD werden diesen Kontext berücksichtigen, wenn sie in den nächsten Monaten darüber entscheiden, wie es weitergehen soll.
Duri B**r, Regionalsekretär VPOD Zürich