08/09/2026
Blau machen, Teil zwei. Versprochen war die Auflösung, warum Blau im Labor so oft vorbeischaut – und kurz darauf kam sie in Form einer Handvoll Steine, die jemand kommentarlos auf den Labortisch gelegt hat. Aus altem Schmuck, den wir zerlegen. Zehn Stück, alle blau, kein Zettel dabei. Danke auch.
Die kurze Antwort: Blau gibt es in der Steinwelt auffällig oft – mehr Mineralien und Varietäten als bei fast jeder anderen Farbe, und seit gut hundert Jahren lässt es sich obendrein ziemlich überzeugend nachbauen. Mehr Kandidaten, mehr Verwechslung, mehr Arbeit für die Laborratte.
Die lange Antwort besteht aus Messdaten, und wir ahnen, dass Ihr Spektren-Auswertung ungefähr so spannend findet wie wir Steuererklärungen. Deshalb ran ans Mikroskop! Das zeigt nämlich auch, was Euch die Linse in der Suchmaschine nicht verrät: zum Beispiel bei den Spinellen die verräterische undulöse Auslöschung zwischen den Polfiltern, die Ihr in einem Stein aus den Bergen Vietnams sicher nie findet, sondern nur im Laborstein. Beim Topas das Gegenteil – so nah an perfekt, dass wir fünfzigfache Vergrößerung brauchten, um überhaupt einen ausgefransten Hauch von Natur zu erahnen. Beim Aquamarin feine parallele Röhrchen. Und beim Saphir ein Heilungsriss wie ein Fingerabdruck, mit einem winzigen dunklen Kristall als Unterschrift.
Unser Ergebnis: Sechs davon sind synthetischer Spinell – in altem Schmuck ein Klassiker, und daher wenig überraschend. Vier sind es jedoch nicht. Einer davon ist sogar geschliffenes Glas, das weitaus seltener vorkommt, als allgemein angenommen wird. Und ja, das Foto davon fehlt, denn der Stein war schon natürlich entsorgt, bevor jemand „Fotokarussell" sagen konnte. Manchmal übertreiben wir's vielleicht auch ein bisschen mit dem Aufräumen...
Und jetzt Ihr: Welche vier im Foto sind KEIN Spinell? Eine Mutige hatte beim letzten Mal schon einen Treffer, so viel sei verraten. Tipps in die Kommentare, ins Postfach oder an den Ladentisch – am Montag gibt's dann die Auflösung!